Kurz gesagt: Fast jedes Paar stellt kurz vor dem Transfer dieselbe Frage: „Setzen wir einen Embryo ein oder zwei?” Viele glauben, zwei Embryonen verdoppeln die Chance. Das stimmt nicht. Dieser Artikel beantwortet eine einzige Frage: Wie viele Embryonen sollten bei der IVF transferiert werden, und wovon hängt diese Entscheidung ab?
Zwei Embryonen verdoppeln die Chance nicht
Die Einnistungswahrscheinlichkeit eines Embryos steigt nicht, weil ein zweiter daneben liegt. Beim Transfer von zwei Embryonen steigt die Schwangerschaftsrate dieses Transfers etwas, die Zwillingsrate steigt jedoch deutlich schneller. Bei jüngeren Frauen, die zwei gute Blastozysten (Tag-5-Embryonen) erhalten, kann die Zwillingsrate bei fast einem Drittel liegen.
Entscheidend ist: Werden gute Embryonen nacheinander transferiert – der erste frisch oder aufgetaut, bei ausbleibender Schwangerschaft der zweite im nächsten Zyklus –, kommt die kumulative Lebendgeburtenrate dem gleichzeitigen Transfer beider sehr nahe. Der Unterschied rechtfertigt das Zwillingsrisiko nicht. Wie wir diese Entscheidung treffen und wie jeder Schritt der Behandlung abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zur IVF-Behandlung in Istanbul.
Warum Zwillinge kein „zwei zum Preis von einem” sind
Manche meiner Patientinnen wünschen sich offen Zwillinge: „Zwei Kinder auf einmal, keine weitere Behandlung.” Ein verständlicher Wunsch. Doch eine Zwillingsschwangerschaft ist deutlich riskanter als eine Einlingsschwangerschaft:
- Mehr als die Hälfte der Zwillinge kommt vor der 37. Woche zur Welt; Frühgeburt ist der Hauptgrund für neonatale Intensivbehandlung.
- Ein niedriges Geburtsgewicht ist bei Zwillingen weit häufiger.
- Für die Mutter steigen die Wahrscheinlichkeiten für Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, Blutungen und Kaiserschnitt.
- Das Risiko für Fehlgeburt und Schwangerschaftsverlust ist höher als bei einem Einling.
Deshalb weisen die Fachgesellschaften weltweit und die türkischen Vorschriften in dieselbe Richtung: Das Ziel ist ein gesundes Kind.
Was sagen die Regeln in der Türkei?
In der Türkei ist die Zahl der transferierten Embryonen nicht dem Arzt oder dem Paar überlassen. Sie ist durch Verordnung des Gesundheitsministeriums begrenzt:
- Unter 35 Jahren: in den ersten beiden Versuchen ein Embryo; ab dem dritten Versuch höchstens zwei.
- Ab 35 Jahren: ab dem ersten Versuch höchstens zwei Embryonen.
- Mehr als zwei Embryonen werden in keinem Fall transferiert.
Die Logik hinter diesen Regeln und den gesamten Rechtsrahmen der IVF in der Türkei habe ich im Artikel Ist eine IVF in der Türkei sicher? ausführlich erklärt. Kurz: Die Grenze soll nicht Ihre Chancen beschneiden, sondern den vermeidbaren Schaden einer Mehrlingsschwangerschaft verhindern.
Wovon hängt die Entscheidung ab?
1. Alter der Frau
Mit dem Alter sinkt der Anteil chromosomal normaler Embryonen. Unter 35 hat eine gute Blastozyste eine hohe Einnistungschance; ein Embryo reicht. Über 38 ist ein einzelner Embryo seltener normal, deshalb erlauben die Regeln zwei. Das heißt aber nicht, dass immer zwei eingesetzt werden.
2. Entwicklungstag und Qualität des Embryos
Ein Tag-5-Embryo (Blastozyste) hat sich stärker bewährt als ein Tag-3-Embryo; sein Einnistungspotenzial ist höher. Steht eine gute Blastozyste zur Verfügung, kann ein einzelner Transfer sinnvoller sein als zwei mittelmäßige Tag-3-Embryonen.
3. Wurde ein Gentest durchgeführt?
Wurde der Embryo genetisch untersucht (PGT) und ist sein Chromosomensatz normal, wird unabhängig vom Alter der Transfer eines einzelnen Embryos empfohlen. Ein normaler Embryo hat ohnehin eine hohe Einnistungschance; ein zweiter bringt Zwillingsrisiko statt Nutzen. Für wen dieser Test sinnvoll ist, habe ich im Artikel zu PGT/NGS bei der IVF beschrieben.
4. Frühere Versuche
Haben sich gute Embryonen mehrfach nicht eingenistet, wird der Transfer von zwei Embryonen zu einer echten Option. Vorher müssen jedoch behebbare Ursachen geprüft werden: Gebärmutterhöhle, Flüssigkeit in den Eileitern, Gerinnung, Schilddrüse. Ein zusätzlicher Embryo löst kein zugrunde liegendes Problem.
5. Gesundheit und Gebärmutter der Mutter
Frühere Operationen an der Gebärmutter, ein Uterusseptum, Bluthochdruck oder Diabetes machen eine Zwillingsschwangerschaft für die Mutter belastender. Bei diesen Patientinnen ist der Single-Embryo-Transfer nicht nur ein Rat, sondern eine Sicherheitsanforderung.
Sind eingefrorene Embryonen dann verschwendet?
Nein. Der Single-Embryo-Transfer beruht gerade darauf, gute Embryonen einzufrieren und nacheinander zu nutzen. Mit der heutigen Gefriertechnik (Vitrifikation) überleben Embryonen das Auftauen sehr zuverlässig, und die Schwangerschaftsraten nach Kryotransfer stehen denen des Frischtransfers nicht nach. Klappt der erste Transfer nicht, können Sie im Folgemonat den zweiten Embryo nutzen – ohne erneute Eizellentnahme.
Was sagen die Zahlen?
In unserem Zentrum liegt die Schwangerschaftsrate pro Transfer über alle Altersgruppen bei 63 %, die Rate fortlaufender Schwangerschaften bei 47 %. Diese Ergebnisse wurden überwiegend mit Single-Embryo-Transfers erzielt. Es sind Durchschnittswerte; Ihre persönliche Chance hängt von Alter, Embryoqualität und Vorgeschichte ab. Keine Embryonenzahl garantiert eine Schwangerschaft.
So entscheiden wir am Transfertag
- Wir prüfen Ihr Alter, Ihre Eizellreserve und frühere Versuche.
- Gemeinsam mit dem Embryologen beurteilen wir Tag und Qualität jedes Embryos.
- Liegt ein Gentest vor, beziehen wir das Ergebnis ein.
- Im Rahmen der türkischen Regeln nennen wir Ihnen offen die möglichen Optionen und das Zwillingsrisiko jeder Option.
- Wir entscheiden gemeinsam – mit Begründung, nicht aus dem Bauch heraus.
Termin und Kontakt
Wie viele Embryonen transferiert werden sollten, ist für jedes Paar eine eigene Frage. Um Ihre Situation, Ihre Embryonen und den passenden Plan zu besprechen, können Sie einen Termin in unserer Klinik an der Universitätsklinik Biruni in Istanbul vereinbaren. Wenn Sie aus dem Ausland anreisen, planen wir den Ablauf von Anfang an gemeinsam.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung und ärztliche Beurteilung. Vorschriften können sich ändern; Behandlungsentscheidungen sollten gemeinsam mit Ihrem Arzt getroffen werden.

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